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Tourtagebuch

DAS HOTWIRE TOURTAGEBUCH 2001 von Alex Espinosa


Samstag 22.09.01
Aufwärmgig:
Aichach - JVA "Frauengefängnis"
(geschlossene Gesellschaft)

Bereits 8 Monate vorher habe ich uns "angemeldet", da diese Auftrittsmöglichkeit heiss begehrt ist. Kein Wunder: Als Besucher werden ca. 350 Frauen im Alter von 16 bis 35 Jahren erwartet.

Nachdem wir diverse Sicherheitsschleusen passiert haben befinden wir uns vor der Gefängniskapelle in der wir spielen werden. Sieht von aussen wie eine normale Kirche aus, im inneren sind die "Besucherbänke" jedoch im Hörsaalstil angeordnet. Wir entfernen zunächst auf "der Bühne" den Altar, einige Kerzenständer, einen schönen roten Teppich und verschiedene andere religiöse Requisiten. So jetzt ist Platz für uns. Noch schnell die Anlage aufge-baut, dann zum Kaffeetrinken und Zwetschgenkuchenessen mit dem Gefängnispersonal. Vielen Dank, es war sehr gemütlich bei euch.

So, der Moment der Wahrheit rückt näher. Gegen 16:00 Uhr begeben wir uns auf die Bühne und stellen uns auf. Um 16:15 Uhr sollen die Türen geöffnet werden. Also warten wir ungeduldig und aufgeregt zugleich und zählen die Sekunden.
Dann ist es soweit. Sämtliche Insassinnen strömen in unsere Richtung und in Windeseile sind die Bänke gefüllt. Es herrscht absolute Totenstille und da jedes kleine Geräusch durch die vorherrschende Akustik um ein vielfaches verstärkt wird, ist es fast unheimlich. Ein fröstelnder Schauer der ängstlichen Furcht läuft uns alsbald über den Rücken (Schön, nicht?).
Beim ersten Akkord passiert dann schier Unglaubliches. Die Frauen toben sofort los und befinden sich auf den Bänken. Das weibliche Securitypersonal von der Polizei schaut etwas skeptisch aber die Meute ist nicht mehr zu halten. Man bekommt keinen einzigen Schlussakkord mehr mit; es herrscht ohrenbetäubender Lärm, Gekreische, Fußgetrommel und orkanmäßiger Applaus. Der Funke springt über, wir glauben, dass wir die Beatles sind und spielen fassungslos, aber hemmungslos, unser Set. Bei jeder noch so kleinen Bewegung unsererseits geht ein Begeisterungssturm durch die Kapelle. Als dann Andy sein Hemd noch aufknöpft ist die kochende Stimmung am Siedepunkt.

Nach einer Stunde und zwei Zugaben ist dann plötzlich auf einen Schlag der Spuk wieder vorbei. Absolut diszipliniert und eskortiert von mehreren Polizistinnen verlässt die eben noch tosende Frauenschar mucksmäuschenstill den Ort und hinterlässt vier verwundert dreinblickende Gestalten, die nicht wissen wie ihnen geschehen ist. Das war ein Gefühl wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen. Danke an euch alle: Ihr habt uns ziemlich happy gemacht.

Für uns steht fest: "Wir kommen wieder!!!"


Samstag 29.09.01
Generalprobe: Festival in Unter-
maxfeld mit der AC/DC-Revivalband
und den 10 kleinen Jägermeistern:

Nachmittags proben wir mit unserem Aushilfsbassisten Peter, der die 5 letzten Gigs mit uns bestreiten wird. Winnie, unser Lehrer, ist für die 2. Tourwoche leider vom Vater Staat nicht freigestellt worden.

Peter hat sich das Programm von ca. 45 Minuten sehr gut drauf geschafft. Puuhhh, da sind wir alle erleichtert. Er ist ein sympathischer Kerl und lange Haare hat er auch noch, klasse!

Kurz nach 16:00 Uhr geht´s dann zum Gig in die Donaumooshalle in Untermaxfeld bei Ingolstadt.
Nach kurzem Soundcheck legen wir um 20:00 Uhr richtig los. Die Resonanz der ca. 500 Besucher ist sehr positiv. Nach 70 Minuten und zwei Zugaben gehen wir erschöpft und glücklich von der Bühne.
Wir haben unsere neuen Aufkleber und Autogrammkarten dabei und verkaufen einen Karton unserer CDs. Zufrieden schauen wir uns die AC/DC-Revivalband an; das sind alte Bekannte von uns aus Regensburg. Deren Gitarrist Mark steht zwei Stunden unter Dauerstrom und verliert dabei bis zu fünf Liter Flüssigkeit. Nach dem Gig liegt er dann für 30 Minuten unansprechbar in einer Ecke rum.

Absoluter Wahnsinn!!!

Alles in allem war das eine gelungene Generalprobe für die anstehende Tour.

Wir haben uns auf foldendes 45-Minuten-Set für die Tour geeinigt:

1. Take me to your heart
2. Talk to me
3. Midnight Romeo
4. Stay in motion
5. Sometimes she cries - Akustik
6. You shook me allnight long - Akustik
7. Crying in the night
8. Nothing to say
9. Waterfalls - Nagelneu!!!
10. Danger is calling


Sonntag 30.09.01
Der Tag vor der Abreise:

Aus logistischen Gründen werden wir selbstständig zum ersten Gig nach Pratteln in die Schweiz fahren. Deshalb versuchen wir verzweifelt unser Equipment im Bandvan Marke Pontiac unterzukriegen. Es wird wirklich jeder Zentimeter ausgenutzt um Bass- und Gitarrenamps, Drums, Instrumente, diverse Taschen und Unmengen an Kleinteilen zu verstauen.
Leider gibt es dabei nur die Möglichkeit Andy - unseren Kleinsten - komplett zuzubauen. Andy steigt hinten ein und dann wird die gesamte Backline um ihn herum aufgebaut. Aussteigen ist nicht möglich und er muss dort die ganze Fahrt über verweilen. Hoffentlich hat er keine schwache Blase. Hi,hi,hi!!!
Eigentlich gar nicht mal so schlecht, wenn man ihn nicht sieht und nur ab und zu stöhnen hört. Meistens wird er sowieso in der typischen Urbück-Schlafstellung verharren (Andy sitzt mit aufrechtem Oberkörper; der Kopf mit Haar klappt um 45 Grad nach unten in die Waagrechte; da baumeln dann die Haare wie Weihnachtsgirlanden.... fehlen nur noch die Kerzen).


Montag 01.10.01
Pratteln in der Schweiz -
Konzertfabrik Z7:

Winnie unterrichtet vormittags noch an der Schule. Gegen 12:00 Uhr brechen wir in relaxter Stimmung grob in Richtung Schweiz auf bis nach ca. einer Stunde einer bemerkt: "Weiß eigentlich jemand wo wir genau hin müssen"....betretenes Schweigen. Auch ist kein Atlas in Sicht und niemand hat die Handynummer vom Tourmanager Jochen dabei....ojeh, ojeh.
Das kann ja heiter werden. Ines, auch Frau Glas genannt, ist jedoch unsere Rettung. Sie klärt die Route im Internet mittels Routenplaner und übermittelt sie an uns per Handy (Winnies um genau zu sein. Aha, deshalb dürfen also Bassisten in Bands mitspielen). Während der Fahrt verteile ich selbstlos an meine Bandkollegen Kokosschokolade und "Lecker-Schneck" Haribos Ostermischung. Letzteres löst fast eine Revolution aus: "Wie kann man nur so ´nen Scheiß essen!"

Geschafft!!! Nach einigen kleineren Staus treffen wir am Club mit fast 3 Stunden Verspätung und einem Loch im Bauch ein. Jochen "Big-Daddy" hat schon nicht mehr mit uns gerechnet und befindet sich bereits in Paniknähe.
Jetzt heißt es einen Zahn zulegen, ausladen und schnell noch Soundcheck machen. Alles klappt hevorragend, dank der professionellen Crew vor Ort. Die ganze Organisation ist vorbildlich.
Endlich können wir was essen und lernen auch die anderen Bands kennen. Nach vorzüglichem Mahl fällt uns vor allem Dirk der
Domain-Bassist auf: "Ich bin Buddhist, aber ich hau´ auch aufs Maul, wenns sein muss".

Wir teilen uns die Umkleide mit den Domains. Deren Sänger Carsten hat sogar seine eigene Einsing-CD dabei!

Um 20:00 Uhr legen wir dann los. Die Halle ist inzwischen gut gefüllt und wir kommen gut an. Ein recht solider Auftritt für uns. Zugaben spielen wir keine, da der Zeitplan recht knapp bemessen ist. Für uns heißt das Vollgas ohne Luftholen. Die 45 Minuten vergehen wie im Fluge und ehe wir uns versehen, räumen wir auch schon unsere Backline von der Bühne.

Wir sind uns alle einig, dass die 3 Bands zusammen ein recht abwechlungsreiches Programm bieten. Mich persönlich haben Pete´s (Shakra) Gesangeskünste an diesem Abend stark beeindruckt.
Nach dem Konzert wechseln wir ein paar Worte mit Crystal Ball-Shouter Marc und ziehen uns später an die Bar zurück um den Tour-auftakt ein bisschen zu feiern....

...."Winnie du hast wohl ein wenig zuviel in dein Gläschen geschaut, aber dafür steigt deine Anziehungskraft ins Unermessliche".

Noch erwähnenswert:
Wir verkaufen 20 CDs und können eine Menge Kontakte zu Radiostationen und Magazinen knüpfen. "Womanizer" Winnie setzt sich am Merchandise-Stand voll in Szene und preist unsere CDs an.

Nach 24:00 Uhr heißt es dann: Umziehen in den Nightliner. So, das ist also meine Schlafkoje. Schaut eher wie ein Sarg für Lilliputaner aus. Was mache ich bloß mit meinen Füßen? Aber wenn der Bus einen Unfall hat, braucht man uns erst gar nicht umzuladen. Dementsprechend ist mein Schlaf recht unruhig. Ist schon ein komisches Gefühl, wenn man auf der Seite liegt und der Magen sich bei Links- und Rechtskurven nach vorne oder hinten bewegt. Das regt irgendwie zum Ko..en an.

Tom verzieht sich in den Van und schläft kurz, da er bis Essen dem Nightliner hinterherfahren wird.


Dienstag 02.10.01
Andernach - JuZ Liveclub:

Es handelt sich um ein nagelneues Jugendzentrum. Wir können von hinten direkt an die Bühne fahren. Nachdem das Rolltor oben ist, haben wir unsere Backline in Windeseile auf die Bühne verfrachtet. Hier zeigt sich gnadenlose Teamwork, als alle 18 Personen zusammen anpacken und den Anhänger ausladen (und nach dem Gig wieder einladen); und so blieb das bis zum Ende der Tour. Respekt!

Gegen 16:00 Uhr trudelt Tom gemütlich mit unserem Bandvan ein.

Beim Basketballspiel auf dem Platz vor der Halle loost Winnie beim Freiwurfpunkten ziemlich ab. Kleiner Tipp: "Du musst nur in den Korb zu treffen!" Verschwitzt freut man sich auf ´ne Dusche. Bei der Körperpflege in der Damentoilette um die Ecke ruft plötzlich eine Stimme aus der Kabine: "Hallo ist da jemand?...... Hört mich denn keiner?........ Kann mir vielleicht einer Klopapier besorgen?" Ich denke mir: Erst schauen, dann sch...en und reiche dem Dirk schnell ne Rolle rüber. Man muss sich ja nicht länger als nötig da aufhalten. Nachdem er sich dann auch noch nass rasiert hat, schaut er mit seinen unzähligen Schnittwunden im Gesicht nach "Halloween meets Freddy Krüger" aus. Beim Duschen vermisse ich hässliches Schuhwerk, auch Badeschlappe genannt. Laut Axel zeigt sich Tourerfahrung darin, ob man solche Teile dabei hat oder nicht. Ich sollte mir also schnellstmöglich ein Paar zulegen (ob´s die wohl auch mit weißen Tennis-Socken gibt?).
Nachdem die anderen Bands unterwegs zu einer Autogrammstunde im Media Markt sind, spiele ich ein bisschen Gitarre ("wer übt, kann nichts") und setze mich vor den Formel 1-Automaten. Andy wagt es dann tatsächlich mich herauszufordern, was sich als schwerwiegender Fehler für ihn herausstellt. "Versuch´ doch einfach mal auf der Straße zu fahren!!!"

Da wir immer zuletzt Soundcheck machen und dann als erste Band die Bühne entern, haben wir immer vor dem Gig reichlich freie Zeit ohne Stress und können uns danach gemütlich die anderen Bands anschauen, am Merchandise-Stand rumhängen und ein bisschen feiern. Winnie und ich beenden den Nachmittag mit einem kleinen Spaziergang Richtung Freibad bei strahlendem Himmel unter herbstlich güldenem Laub.
Am Abend besucht uns Birgitt Schwanke und macht mit Teilen von Shakra, Domain und uns ein lustiges Ratespiel. Sie lässt uns in ein paar neue wie auch alte Songs reinhören. Wir sollten dann wissen welche Band das gerade ist. Aber alle raten eben nur und liegen dann meilenweit daneben......peinlich......bis auf Herrn Glas. Tom führt am Ende dieses Spielchens so mit 10:0. Das hat dann doch seine Laune verbessert, nachdem er vorher den ortsansässigen PA-Verleih im Schalke 04-Fanbus vorfahren sah. Tom und Winnie sind leider (Winnie: "Zum Glück") eingefleischte Bayernfans; Andy und ich sind dann zum Ausgleich einfach für die jeweilige Gegnermannschaft. Yo (Alex: "Wer ist der Gegner? Ich bin für den Gegner").

Zum Abendessen gibst Gyros mit Zaziki vom Griechenmann. Die Zwiebel-Knoblauchausdünstungen tragen später erheblich zu der guten Luft im Nightliner bei.
Unser Gig hat riesigen Spaß gemacht, da wir so richtig gut gegroovt haben. Birgitt macht ein paar Bilder von uns. Ihr hat es auch ziemlich gut gefallen.
Gegen Mitternacht stechen uns ein paar Mädchen ins Auge (die "Las Trullas"). Durch diverse Staus verhindert, treffen sie erst nach dem Konzert ein.

Wir genehmigen uns ein paar Bierchen (Tom, was trinkst du eigentlich als unvernünftiger Antialki?) und dann geht es ab in die Heia.


Mittwoch 03.10.01
Essen - Zeche Carl:

Beim Eintreffen in der Zeche Carl (ein stillgelegter Industriekomplex) warten bereits etliche Fans auf uns. Bewaffnet mit allen Hotwire-CDs bitten sie um Autogramme und sind bei der Besetzung voll im Bilde: "Alex, da brauchst du nicht zu unterschreiben, da warst du ja noch nicht dabei." Das hat uns echt umgehauen.

Domain verziehen sich in ihre Umkleide ins Kinderspielzimmer. Die schauen richtig niedlich aus, wie sie auf ihren kleinen Stühlen zwischen all den Spielsachen sitzen. Derweil zieht ein unermüdlicher Autogrammjäger ums Haus, um alle Unterschriften zu bekommen. "Hoffe, du warst schließlich doch erfolgreich."

Zum Essen gibt´s dann Schaschlik in der angegliederten Kneipe. Wo sind bloß die Domain-Jungs. Hmmm.....

Für uns heißt es wieder raus auf die Bretter. Klasse, die Halle ist fast voll. Wir haben super Spiellaune und können uns an diesem Tag noch mal steigern. Nicht unerheblich hat das Superpublikum dazu beigetragen. Danke, dass ihr so gut mitgegangen seid. Petra und Peter machen tolle Fotos von uns. Nochmals danke für Eure Foto-CD. Auch werden wieder Birgitt Schwanke und Gerald Siebenmorgen gesichtet.
Beim Domainauftritt zeigt sich dann die ganze Wahrheit über deren Verschwinden. "Ihr habt wohl Kindergeburtstag gefeiert?" In ausgelassener Partystimmung spielen sie sich durch das Set und können sich kaum ein breites Dauergrinsen verkneifen. Hey, das war wirklich witzig.

Später lernen wir Jutta, Verena und Andreas kennen und erhalten von Jutta spontan als Geschenk einen Talismanring. Danke, der wird uns sicher viel Glück bringen. Nach kurzem Gespräch müssen wir gegen Mitternacht aufbrechen. Es liegt die lange Strecke nach Ingolstadt vor uns, da Tom und Winnie morgens zur Arbeit müssen. Arme Schweine. Andy und ich steigen hinten im Van ein und so bleibt die Stimmung vorn eher nüchtern, während wir hinten lustig ein Bier nach dem anderen vernichten. Leider waren deshalb zu Tom´s Unfreude diverse Pinkelpausen nötig und wir liegen erst gegen 6:00 Uhr früh im eigenen Bett.

Andy schläft auf der Couch und Winnie darf neben mir liegen. Patschnass geschwitzt (nein, nein.....hatte wohl Alpträume, der Gute) muss er nach einer Stunde schon wieder raus und in die Schule fahren. Andy und ich dürfen ein bisschen länger liegen bleiben. Was hat eigentlich Tom gemacht? Ist wahrscheinlich gleich in die Arbeit nach München, wie das eben bei Rockmusikern so ist.


Donnerstag 04.10.01
München - Garage:

Wir fahren mal wieder selbst und treffen uns um 14:00 Uhr mit den anderen vor Ort im Kunstpark Ost. Beim Betreten der Garage sticht uns sofort ein seltsames Plakat von unserem Ex-Sänger ins Auge. Durch geschicktes Manipulieren der Buchstaben mit einem Eddingstift wurde aus:

"The Never Surrender tour - The Original Hotwire"

"The ende Tortour - The Vaginal "

Jessas (Fränkischer Ausdruck des Erstaunens), da hat sich doch einer einen Spaß erlaubt!!! Das zaubert sogleich ein Schmunzeln in unsere Gesichter, zumal die Namensfrage jetzt endlich geklärt ist: Wir heißen Hotwire; Werners Band nennt sich Crush. Take it easy, Werner!!!
Nachdem wir uns das Catering bei Aldi um die Ecke selbst organisiert haben, ist es für mich Zeit zum Saitenwecheln. Haben sich die anderen Gitarristen wohl auch gedacht. Es schaut ziemlich witzig aus, wie wir so alle an unseren Gitarren rumschrauben, nach dem Motto: Wer ist am Schnellsten (übrigens nicht immer ein Vorteil).
Tom spielt über Rogers (sprich Rosche, wie die Süßigkeit aus der Werbung; Parallelen sollen vor allem Frauen entdeckt haben) Set. Beim Soundcheck fällt mir die Abstinenz meiner kompletten Kabel (Steckdosen, Midi- und Boxenkabel....) auf. Die hab ich wohl in Essen....... vergessen. Flocki-sei-Dank lässt sich schnell Ersatz finden. Noch ein kleines Nachmittagschläfchen.

Als wir loslegen ist die Garage brechend voll und es herrscht eine tolle Stimmung, aber auch ein saunaähnliches Klima. Während des Gigs sehe ich viele bekannte Gesichter im Publikum: Die "Zwillinge", Lenz, Gabi, DJ Steve, Stefan, Kristina...... und du süße Schwarzhaarige. Danke, dass ihr da ward (Sorry, wenn ich jemanden vergessen habe).
Während des Gigs räumt Tom das Standtom ab, d.h. es macht einen Abflug vom Podest. Muss wohl im Weg gestanden sein. Auch Harry und Claudio von unserem Vertrieb Point-Music sind da. Harry gratuliert uns und sagt, dass er sich keine Sekunde gelangweilt hat; wenn das kein Kompliment ist.

Um Mitternacht feiern wir dann Thomas Musters (Shakra) Geburtstag. Wir entern die Bühne und prosten ihm zu (sonst hätte er den Tag wohl vergessen).

Am Merchandise-Stand treffen wir die halbe Bonfire-Mannschaft und haben noch ein paar nette Gespräche (Thanx Christine und Steffi).

Nach dem Einladen des Anhängers geht es dann heim nach Ingolstadt. Schööööön.


Freitag 05.10.01
Day-Off in Ingolstadt:

Die anderen Bands bleiben in München und verseuchen das Olympiabad. Für uns ist endlich Zeit zum Ausschlafen und Wäschewaschen.

Mein Tagesablauf:

12:00 Aufstehen, Wäschewaschen und Telefonieren
16:00-18:00 Nachmittagsschläfchen
18:00-23:00 Essen beim Italiener um die Ecke; kann ich jedem nur empfehlen: einfach bei mir telefonisch anmelden, dann schauen wir dort mal vorbei.
23:00 Ab ins Bett

So das war´s dann auch schon. Winnie hat ebenfalls ausgeschlafen und sich dann "verwöhnen" (so, so) lassen. Andy befindet sich in vermuteter "Klammerstellung" (mehr dazu später) mit Kathrin.
Tom war von 6:00-13:00 in der Arbeit, von 13:00-16:00 im Stau nach Ingolstadt, wollte noch nach Regensburg fahren, aber nach einer weiteren Stunde Stau ist er frustriert heim und ab ins Bett. Und dann?


Samstag 06.10.01
Hamburg - Headbangers Ballroom:

Winnie, Alex, Tom mit Frau Ines und Andy mit Freundin Kathrin fahren selber mit dem Van nach Hamburg. Abfahrt ist 5:00 Uhr früh.
Wir treffen rechtzeitig in Hamburg ein und verweilen am Hafen in einem Cafe bei Sonnenschein, bis wir dann den Nightliner sichten. Nachdem wir das Parkplatzproblem geklärt haben, besichtigen wir den Club, einen typischen Heavy-Metal-Schuppen im ersten Stock, der sich direkt am Hafen befindet.
Die Mädels beziehen ihr Quartier an der Reeperbahn. Für uns eine erstklassige Möglichkeit zu einer Dusche zu kommen. Ich dusche zuerst. Kathrin und Andy befinden sich in Klammerstellung (schimpansenmäßige Umarmung ohne sich zu bewegen oder Luft zu holen) auf dem Bett.
Als ich eine halbe Stunde später aus dem Bad komme.....seltsam..... die liegen immer noch genauso da. "Macht halt wenigstens ein bisschen Sex."

Das Catering im Club erweist sich als Training für Survivalkünstler. Irgendwie hatte danach jeder Bauchgrummeln.
Flink entfernen wir das "Domain-Backstage"-Schildchen und befestigen es an der Klotüre, dann verschwinden wir zum Umziehen im gut gekühlten Kellergewölbe, welches eine erstaunliche gregorianische Gesangsakustik aufweist. Pater Winnie trällert freudig erregt ein Kunstlied nach dem anderen.

Mit kurzer Verspätung spielen wir unser Set und kämpfen mit der Enge der Bühne und diversen Hamburgern im Magen. Während der ersten drei Songs wird dann das Licht justiert. Juhu!

Alles in allem doch ein passabler Gig.

Natürlich müssen wir zur Reeperbahn. Als wir mit dem Taxi dorthin fahren wollen weigert sich der nette Mann aus Polen jedoch uns dorthin zu chauffieren; der Weg sei zu kurz. Ein Kollege von ihm greift gnadenlos durch, beschimpft ihn ("Ich zeig dich an") und bringt uns schließlich zum sehnsüchtig erhofften Ziel. Thanx, das war wirklich Hamburger Gastfreundschaft. Als Winnie die netten Damen am Straßenrand sieht, hätte er gern ein paar Preisinfos gehabt, traut sich aber nicht es auszuprobieren......äh.. nachzufragen.

Wir schauen uns eine witzige Show-Cover-Band mit Glitzerklamotten und angeklebten Koteletten an. Auch ein Besuch im Rockcafe ist ein Muss. Dort treffen wir einige Kollegen von Shakra und Domain. Wir essen ein paar Sandwiches (hier Croc genannt) zum Magensaft neutralisieren und verabschieden uns von den Mädels, die morgen mit dem Van heimfahren.

Der Nightliner ruft.

Der geplante Besuch am Fischmarkt um 5:00 Uhr fällt für uns wegen exzessivem Medizingenuss (J.D.) und amüsantem Schäfchenzählen flach.


Sonntag 07.10.01
Amberg - Rockdomizil:

Hier haben wir bereits vor einem halben Jahr gespielt.
Auf der Fahrt dorthin hat unser Busfahrer Max extrem mit der Müdigkeit zu kämpfen. Weil wir Angst haben, dass seine Augenlider nun doch zuklappen, setzen Winnie, Andy und ich uns zu ihm nach vorne und versuchen ihn mit lauter Blödsinn die letzten 100 km wach zu halten.
Tom hält derweil seinen 14-Stunden-Schönheitsschlaf (wahrscheinlich hoffnungslos).
Am Abend werden auch meine Eltern vorbeikommen. Der erste Auftritt seit 16 Jahren, den sie sich heute antun wollen. Das ist auch der letzte Gig von Winnie, weil er ja die 2.Woche nicht freibekommen hat. Schade, hey, brauchst dir aber nichts darauf einzubilden, du Basser (Denk´ dran: Bass, besser, Gitarre). Kurz vor dem Gig trifft der Aushilfs-Peter und meine Eltern ein.

Der Club ist gut gefüllt, wir starten durch, mein Vater versucht ein paar Fotos zu schießen, muss aber ein paar Schritte zur Seite machen und kommt mit seinem Ohr vor die böse, böse Box. Die Augen werden schlagartig größer, die Hand fährt zum Ohr und die Füße machen kleine schnelle Schritte in Richtung Notausgang. Dad, das hat ziemlich lustig ausgesehen. Wo warst du denn den Rest des Konzerts?

Wir sind uns einig: Ein gelungener Abend mit erstklassigem Essen beim Mexikaner nebenan. Gratulation an Jürgen: Wirklich nett, die neue Bedienung!
Ich verabschiede mich von Winnie und meinen Eltern, überreiche noch diverse Schmutzwäsche als Andenken und bin rundum zufrieden, obwohl ich mich ohne die alltägliche Duschzeremonie recht versifft fühle.

Vor der Abfahrt herrscht noch gemütliches Beisammensein vor dem Rockdomizil. Aha, da sind sie wieder, die Trullas.


Montag 08.10.01
Gießen - MuK:

Am Autobahnrasthof ??? (irgendwie scheint mein Orientierungssinn und mein Zeitgefühl mittlerweile recht verwirrt zu sein) gibt´s die erhoffte Dusche mit Frühstück. Geil!!! Anschließend sitze ich im Bus - habe sogar einen Fensterplatz ergattert – und schaue so vor mich hin. Schon wieder ein Stau, stöhn. Stop And Go, und das ziemlich langsam. Ooooohhhh, wer ist den die nette Brünette im etwas kleineren Wagen auf der linken Spur nebenan.
Sie schaut auch sehr interessiert zu uns rüber, kann sich aber angesichts dieser Langhaarpracht nicht so ganz entscheiden. Auch kein Wunder, schaut sicher ziemlich dämlich aus wie wir so alle aus dem Fenster stieren. Vielleicht ist sie ja Frisöse von Beruf und denkt sich: "Wartet nur, bis ich zu euch in den Bus mit meiner scharfen, schnellen Schere komme: schnipp, schnipp."
Tja, so nahe können Paradies und Albtraum beisammen liegen.

Während ich sinniere schleicht sich unser Freund Roger nach vorne in die Busfahrerkanzel, stellt sich mit dem Rücken ans Fenster, wackelt mit dem Hintern und lässt dabei gemächlich seine Hose herunter. Nacktes Fleisch!!! Die gute Dame kann´s nicht glauben, gestikuliert wild mit ihren Armen, deutet auf die entblössten Körperteile (ja, es waren mehrere!) und krümmt sich vor Lachen.
Ach ja, hatte fast ihren Fahrer vergessen, der hat nicht ganz so freundlich geschaut und bei der ersten Gelegenheit: Vollgas!!!!! Bloß weg hier. Wahrscheinlich wars der Ehegatte.

Nun zu Wichtigerem: Der Club wirkt von außen wie eine ziemliche Bruchbude, ist aber von innen doch recht sympathisch. Er befindet sich im ersten Stock. Das heißt wir müssen unser Equipment von außen über eine eiserne, steile Feuerleiter hochtragen.
Das erweist sich als äußerst schwierig, da es saukalt ist und in Strömen regnet. Nachdem Carsten (Domain-Sänger) ausrutscht und sich die Hand hässlich abschürft, beschließen wir den langen Weg durchs Haus zu nehmen. Puhhh, was für eine Schlepperei. Organisation und Catering hingegen sind vorbildlich.
Erste Bewährungsprobe von Peter. Meisterlich kann ich nur sagen. Es fallen nur gewisse Eigeninterpretationen bei "Nothing to say " auf. Er beweist jedoch eine gewisse Ausdauer und Zielstrebigkeit, indem er uns die folgenden Gigs mit weiteren neuen Variationen beglückt. Habe gar nicht gewusst, dass das ein Jazzstandard ist.

Die Trullas überreichen Andy unter dem Auftritt ein T-Shirt mit dem Aufdruck: "Who the fuck is Hotwire? und verlangen, dass er es auf der Stelle anzieht. Also gibt´s eine kleine Peepshow bis Andy sich das Teil übergestreift hat. Es herrscht klasse Stimmung. Trullas danke! Bei meiner Fußleiste macht sich erste Materialermüdung bemerkbar. Ich muss einen Taster mit Gaffa-Tape fixieren und ein paar Sounds umprogrammieren.
Bin in super Spiellaune und überrasche mich selbst, indem ich mein Endsolo in meinen persönlichen "Top 3" platziere (Das war doch eben mieses Eigenlob!).

Flocki, unser Mischer, macht an diesem Abend einen Mitschnitt unseres Gigs. Den hören wir uns am nächsten Tag auf der endlosen Fahrt nach Berlin an und nerven damit so ziemlich jeden im Bus. Sorry.
Nette Geschichten über eine gewisse Suzie Wong bitte im Shakra Tourtagebuch nachlesen! Anscheinend steht Roger auf Asiatinnen: Die schöne Tai Ming kennt er ja nur zu gut (Ok, das war jetzt nicht einfach).


Dienstag 09.10.01
Autobahn und Berlin Eastside-Gallery:

Beim obligatorischen McDonalds-Stopp versuchen wir verzweifelt beim Monopoly-Gewinnspiel eine Straße zu komplettieren. Aber außer Gratiseis läuft nichts. Also verlassen wir mit je 3 Softeis im Bauch den Ort des Schreckens. Am Nachmittag treffen wir in Jena ein, wo wir schleunigst ein Ärztehaus stürmen um Erkältungen, Magenprobleme, Augenentzündungen und sonstiges Unwohlsein zu kurieren.
Nach endlosen Stunden auf der Autobahn und in etlichen Staus gefangen, treffen wir gegen Abend in Berlin ein.
Die Eastside-Gallery ist ein recht seltsamer Ort auf der ehemaligen Ostseite der Berliner Mauer.
Ziemlich heruntergekommen, leerstehende Gebäude und überall Müll und Schutt.
In dieser idyllischen Umgebung befindet sich das Razzle Dazzle - ein kultiger Bikerschuppen in dem jede Menge Autos und alte Motorräder rumstehen.
Beim Betreten drängt sich uns jedoch der geruchliche Vergleich mit einer ländlichen Odelgrube auf (jodel!).
An der nahegelegenen Tankstelle holen wir uns eine kleine Stärkung und verschaffen uns Erleichterung auf der einzigen Toilette weit und breit. Dort treffen wir auch (nein, nicht am Klo) Mo Asumang (bekannt aus "Liebe Sünde").
Andy holt sich ein Autogramm ab. Peter verliert leider einen Kasten Bier, da er nicht glauben wollte dass sie es wirklich ist. Wir erfahren von ihr, dass sie im Keller vom Club mit ihrer Funk- und Soulband probt und laden sie zu unserem Gig am nächsten Tag ein. Mo, wo warst du? Naja.

Abendgegessen wird im "Speicher", ein Gebäudekomplex in der Nähe. Dort schüttet uns Roger auf amüsante Weise sein Herz aus und erzählt lustige Schwänke aus seinem Leben.

Heute mal früher ins Bett? Ja, das hört sich gut an.


Mittwoch 10.10.01
Berlin - Razzle Dazzle:

Vormittags zieht´s Tom an den Ku-Damm, wo er ein neues Snarefell fürs Schlagzeug und Reizwäsche für seine Frau erwirbt; in dieser Reihenfolge! (Tom: "Von wegen, Kochtöpfe waren es!") Jetzt weiß ich auch warum Axel Ritt "Ironfinger" genannt wird. Der "Verrückte" zieht wirklich Saiten der Stärke 013 auf (normal wäre 009 oder 010) und benutzt 2 mm Plektren (habe gar nicht gewusst, dass es die gibt). Very Heavy Stuff.
Wir streichen heute eine Ballade und spielen dafür einen härteren Song (Once in my life). Tipp von Jochen, der wohl Angst um uns hatte. Es bestand aber keine Gefahr, das Publikum war vollkommen in Ordnung. Wir haben eine Mordsgaudi beim Spielen und knallen unser Set durch. Peter bringt durch seine Spielweise einen mächtigen "Drive" rein.
Hier gibt es auch kultige Medizin-(ihr wisst schon)becher mit ´nem Totenkopf drauf.
Vorsichtshalber sind die aus Plastik gemacht und schwupp-di-wupp-dich-weg landen ein paar Exemplare in meiner Tasche (natürlich nachdem ich vorher ein Vermögen an Pfand bezahlt hatte :-).
Bei Shakra bangen Dagmar, Yvonna, Andy und ich vor der Bühne (Hey, ich warte noch auf die Fotos).

Gemütlicher Ausklang: Peter, Andy und ich sitzen mit dem Wirt noch bis zur Abfahrt am Tresen und üben uns im gesunden Medizingenuss.


Donnerstag 11.10.01
Heidelberg - Schwimmbad:

Kurz nach der Ankunft wollen wir zum nächsten Supermarkt (nahe gelegen laut Erdmann (Domain-Keys)), irren jedoch 2,5 Stunden in der Gegend rum. Gott sei Dank spielen Shakra trotz Pete´s gesundheitlicher Probleme (er hat ne Mega-Erkältung, die beim Gig jedoch wie weggeblasen scheint). Es wird jedoch die Reihenfolge vertauscht (Hotwire/ Shakra/ Domain) und wir können einen zusätzlichen Song spielen.
Das Schwimmbad ist richtig schön voll und mir passiert dann so eine Art Alptraum-Chaosgig.
Ich hoffe, das ist nicht ganz so schlimm rübergekommen (trotz allem war´s eine sehr gute Show für uns, es herrschte eine tolle Stimmung und es hat riesig Spaß gemacht):

Doch nun zu den Feinheiten:

- Ich lang in die Saiten rein und beim 1. Akkord ist gleich ´ne Saite gerissen. Kein Problem denke ich mir, dann stelle ich die Gitarre weg und hol´ mir die Ersatzgitarre. Nanu? Die stand doch noch eben im Gang......??????........Scheiße!!!!
Also sause ich los und suche panisch im Backstagebereich nach meiner Gitarre. Dort begegnet mir Axel (der Rest der Band spielt brav weiter): "Hey, kein Problem, ich wechsle dir die Saite" Super.... aber erst brauch ich meine Ersatzgitarre... Ich hetze die Treppe zum Speicher rauf und da lehnt sie doch gemütlich an der Wand. Hier gibt´s anscheinend Heinzelmännchen. Schnapp´ sie mir und rase zurück auf die Bühne.
Die Jungs haben in der Zwischenzeit (es sind doch bereits 5 min. vergangen) das längste Intro in der Hotwire-Geschichte gespielt.
Axel beweist ein Herz für Tiere (Rottweiler im speziellen), indem er mir unter die Arme greift und eine Saite wechselt. Danke. Leider hat er aber das abgebrochene Ende nicht entfernt (sicher keine Absicht)... da gab´s eben gnadenlos schmerzhaftes Handballenpiercing.

- Desweiteren hat die Batterie vom Wah-Wah den Geist aufgegeben. Hab ich eben ohne weitergespielt. Brauche ich ja nur bei der Hälfte der Songs.

- Kurze Zeit später ist ein Kabel kaputt gegangen. Hat ein paar Minuten gedauert bis ich gecheckt habe welches.

- Beim Akustikset: Wo ist eigentlich der Barhocker. Aha, keiner da.... dann setz ich mich halt auf die Bühne...puuh.

- Kurz vor Schluss, während ich ins Solo schalte, fliegt mir dann ein Taster ans Kinn... hoppala... hab gar nicht gewusst, dass so eine kleine Feder so weit schleudern kann...?.?.?......peinlich... hat hoffentlich niemand gesehen, denke ich mir.

OK, jetzt ist alles kaputt, dann können wir ja aufhören.
......Aber die Wunderkerzen und neuen T-Shirts der Trullas (ich möchte auch so eins !?!) in der ersten Reihe waren der.... helle Wahnsinn.
Danke an alle die da waren für die super Stimmung. Danke an Susie für die gelungenen Fotos. Danke an Susanne (dein Tattoo hat´s mir wirklich angetan) und Mareike fürs Kennenlernen.
Danke auch an Peter fürs offene Haar (na also, geht doch) und heavy Mähneschütteln.

Wir vergnügen uns noch in der hauseigenen Disco, gucken alte Metalvideos (schwelg in Erinnerung) und feiern (bei mir eher Frust-beseitigung) im Bus noch bis in den Sonnenaufgang.


Freitag 12.10.01
Day-Off in Heidelberg:

Wir kriechen alle so gegen Mittag aus dem Bus. Es ist wunderbarer sonniger Herbsttag (als das güldene Laub langsam von den Bäumen rieselt).
Der trullaeigene Taxiservice verfrachtet uns zu Birgit und ihrer Familie. Wir belagern für die nächsten Stunden deren Haus, wo wir ein sagenhaft köstliches Menü erhalten (Claudia, deine Kochkünste sind unbeschreiblich), uns endlich wieder kultivieren können (dank Massagedusche), uns entspannt auf der Terrasse sonnen (mit einem Eis in der Hand), die eine oder andere Massage erhalten (knet, knet) und so richtig schweinemäßig verwöhnt werden.

Achtung lustige Geschichte:

Ich liege bequem auf meinem Liegestuhl, Tom ist mir gegenüber in seinem. Er wippt nervös mit seinen Füßen, Armen, Händen, Gliedern, etc. ,kann sich nur nicht ruhig halten.
Plötzlich fahren seine Hände in die Höhe, man hört ein hässliches Krachen... Krrrrraakkkkk..... dann fliegen kleine Plastikstücke in der Gegend herum....
...Tom scheint für sehr kurze Zeit scheinbar in der Luft zu schweben....
...doch dann gibt das Material nach....Toms Füße sausen ebenfalls in die Höhe.....
...er schaut etwas verdutzt.......und schon macht er einen Salto-Mortale rückwärts.........
...hey, ich habe echt Probleme nicht auch von meinem Stuhl zu fal-en....... Tom purzelt so richtig in der Wiese rum (eben saß er doch noch auf der Terrasse).....
...der Liegestuhl jedoch sieht aus wie ein Lego-Bausatz...... blitzschnell versucht Tom wieder auf die Beine zu kommen......
...aber zu spät, es hat wirklich jeder mitbekommen. Das sieht man an den sich krümmenden Körpern und dem plötzlichen Ausbruch von Heiterkeit....
...hahhahaahahhahahahah. Mister Killdröm hat seinem Namen wieder alle Ehre gemacht.

Später gibt´s noch ein unlustiges Gruppenfoto in einer nahegelegenen Wiese.

Abends sind wir dann in Heidelberg unterwegs. Carsten macht eine kleine Stadtführung und wir bewundern auf einer Brücke über dem Neckar die schöne Aussicht auf das Heidelberger Schloss. Wir gehen mit Shakra zum Essen zu einem Italiener.
Dort entdecke ich Thoms (Shakra-Gitarre) Vorliebe fürs Autorennen und die Playstation. Sei gefasst Thom, irgendwann komm ich bei dir vorbei, dann drehen wir ein paar Runden. Wir ziehen weiter in eine gemütliche Kneipe mit eigener Brauerei, wo wir uns sofort mit dem erstklassigen Märzenbier anfreunden. Thom hat sich da ein Paar in Sekundenschnelle reingezogen (so sind sie halt die Bayern... äh Schweizer).
Nachdem die Shakras weg sind (ne, die liegen nicht unterm Tisch, die sind tatsächlich ab ins Bett) fahren wir mit dem Taxi zum Bus (auch irgendwie komisch, oder?) zurück.


Samstag 13.10.01
Marbach bei Villingen - Cafe Amber:

Nachmittags ist bei schönem Wetter Frisbeewerfen und Fußballspielen angesagt und zwar auf der örtlichen Straßenkreuzung (kann denn mal niemand die Autos umleiten). Dann dürfen wir eeeeeennndlich duschen und bekommen ein erstklassiges Essen.
Tom ist guter Dinge, da das Derby (Bayern : 1860) 5:1 ausgegangen ist. Was wäre wohl gewesen, wenn es anders herum geendet hätte?

Erster Eindruck vom Club:

Da hat wohl einer ein paar Jack zu viel getrunken. Sieht jedenfalls so aus. Im gesamten gemütlichen Club befinden sich ca. 1000 leere (schnief) Jack Daniels Flaschen.
Also erstklassige Gig-Atmosphäre für mich.
Leider müssen wir feststellen, dass unser Banner verschwunden ist. Oder liegt es vielleicht noch in Heidelberg? Oder hat es jemand versteckt? Fragen über Fragen......
In der Garderobe sticht uns ein ekeliger, süßlicher Käseduft in die Nase. Fieberhaft suchen wir unter den Tischen nach verdächtigen Fremdkörpern bis ich auf Tom´s Auftritts-Shirt stoße.
iiiieeeeeeehhhhhhh..... ist noch ganz feucht vom Vortag. Schnell raus und etwas Frischluft schnappen. Das tut guuuut.
Wir spielen jedoch auch ohne Banner den bis dato besten Gig mit Peter. Sind sehr lässig und relaxt. Am Ende des Gigs stürze ich mich in die Menge (gehe halt einfach die Stufen zur Bühne runter).
"Was will der bloß von uns", denken sich sicher einige.

Bei Domain fällt leider eine Box aus. Die lassen sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen und das technische Problem wird schnell und so gut wie möglich behoben.

Hole mir leider eine Erkältung als ich mich durchgeschwitzt vor dem Club mit Irina (Freundin von Crystal Ball Gitarrero Scott) un-terhalte.

Special Thanx an Andrea und Freundin fürs Bangen bei Shakra, Daniela D. für die Fotos, Daniela R. fürs Kennenlernen.

Vor der Abfahrt gibt´s noch einen rührseligen Abschied von den Trullas, die beim letzten Konzert nicht mehr dabei sein werden. Schade.

Ab in den Bus und weg.


Sonntag 14.10.01
Zedtwitz - Fernverkehr:
Letzter Tag der (Tor)tour

Der Ort ist uns recht vertraut, da wir in Feilitzsch - ca. 1km Luftlinie - im Audio Landscape Studio unsere letzte CD aufgenommen haben. Hendrik Ertel (Hök, what´s going on man?) ist deshalb auch auf unserer Gästeliste.
Wir haben uns mit einem kleinen Kickerturnier eingewöhnt. "Zu Null" verloren; das ist scheiß peinlich für mich.
Zum Essen gab´s Rouladen mit Knödel und Blaukraut....fein.
Am letzten Tag werden traditionell diverse Späßlichkeiten ausgeheckt. Meistens trifft´s die Opener voll. Das wussten wir und haben vor unserem Auftritt Kabel und andere mögliche Fallen überprüft. Doch erst als wir auf der Bühne waren ging´s richtig ab:

-Die anderen Bands haben sinnlose Sprüche und hässliche Gesänge über die Monitore geschrien. Jochen gab bei der Gelegenheit seine Version von "Highway to hell" zum Besten. Beim letzten Song wurde dann einfach Toms Schlagzeug abgebaut bis er nur noch hinter der Snare saß. Mit dem letzten Schlag hat er die Felle "gekilldrömt", indem er die Sticks einfach reingerammt hat. Cool, man!!!

Aber Rache ist süß:

Bei Domain sind wir als Putzkolonne verkleidet auf die Bühne und haben dort einen Song lang mal so richtig abgestaubt, den Boden gewischt und alles blitzsauber gemacht.

Orginalzitat Dirk: "Ihr habt mir eine Scheißangst eingejagt. Als ich im Schwarzlicht eure weißen Mützen sah, dachte ich schon der Ku-Kux-Clan kommt mich holen."

Shakra mussten ebenfalls dran glauben. Die Jungs von Domain und wir haben uns den Titel des neuen Shakra-Albums "Power-Ride" auf die A....backe geschrieben (pro Person ein Buchstabe) und haben vor der Bühne die Hosen runter gelassen. Thomas Muster hat fast das Gitarrespielen vergessen vor lauter Lachen.

Los rauf auf die Bühne und bei "Hands on the Trigger" sinnlos mitgröhlen. Es sollen sogar einige Fotos darüber im Umlauf sein (wünsche viel Spass beim "Wer bin ich?"- Arschbackenratespiel).

Jochen wird leider von seiner Grippe überwältigt und kann sich nur noch mit diversen Heißteegetränken auf den Beinen halten. Es wird höchste Zeit für uns alle wieder zu einem "normalen" Rhythmus zu finden.
Jetzt ist auch schon der Moment des Abschieds gekommen. Bei ausgiebiger Huldigung und Lobpreisung der anderen kommen uns fast die Tränen...... schnief.
Dann holen wir uns noch ein Tourplakat mit allen Unterschriften und sitzen kurze Zeit später im Van nach Ingolstadt. Dort angekommen räume ich meine Taschen aus und werfe die Waschmaschine an. Fürs Schlafen bleibt keine Zeit. Ich döse eine Stunde auf der Coach, dann breche ich auf, um Gitarrenschüler zu quälen. Der Alltag hat mich wieder.

War da die letzten 2 Wochen nicht irgendwas?

Für uns noch interessant:
Am letzten Abend waren wir die absoluten Merchandise-Könige; die Leute haben wohl eine Comedy-CD erwartet.


Resümee:

Für die Band hat es, von dem immensen Spaßfaktor mal abgesehen, viel gebracht; wir sind musikalisch und persönlich mehr zusammengewachsen. Wir haben viele nette Leute kennen gelernt und sicher einige neue Fans hinzugewonnen.

Danke Peter (unserem Winnie-Ersatz) für amtlich-furioses Bassspiel, trotz nur einer Probe vorher, wildes Mähneschütteln, gelegentliche Medizinsessions und einfach eine angenehme, nette und freundschaftliche Zeit mit dir.
Leider wirst du nie mehr "Nothing to say" vergessen.

Dank an Shakra und Domain für eine tolle Zeit und für das Schaffen von absolut fairen Bedingungen für uns: ausreichend Zeit zum Soundcheck, reichlich Platz auf der Bühne, selbstloses Leihen von Schlagzeugsets, div. Kabeln, Gitarrenboxen..... gelegentlichem
Saitenwechseln.

Dank an Domain-Mischer Flocki: Du warst immer bemüht uns einen schönen Sound zu bescheren.

Dank an Jochen für seine mütterlich-behütende Art und seine erstklassige Arbeit als Tour(Big)Daddy

Dank an Samuel für seinen unermüdlichen Einsatz am Merchandise-Stand... und natürlich für die "Powerride-Fotos"

Dank an die Las Trullas (Anita, Birgit, Claudia und Saskia), ihr "Wunderkerzen", ihr seid einfach der helle Wahnsinn.

Dank an Max fürs Busfahren und für amüsante Kommentare in diversen Gästebüchern und Foren.

Dank an alle Fotografinnen (Daniela, Susie, Petra, Birgitt,...) und Fotografen (Peter,....), die uns noch immer mit Bildmaterial
versorgen (Mann, schauen wir gut aus!).

Dank an Mike, dass du einfach da warst.

Alex´ Bonushuldigung an Thom und Thomas von Shakra:
Ihr habt bewiesen, dass zwei gleichzeitig gespielte Gitarren durchaus "tight" sein können.


Unser spezieller Dank gilt natürlich allen Fans, die unsere Konzerte besuchen und die sich unsere Musik freiwillig anhören. You rule!!!

Auf hoffentlich bald !!!




P.S.: !!!Nicht vergessen!!!: Immer mal unter www.hotwire-rock.de vorbeigucken!!!

P.P.S.: Unser Banner ist glücklicherweise inzwischen wieder aufgetaucht. Dank der holden Bannerholerin Claudia wurde das wertvolle Teil in Heidelberg sichergestellt und zeremoniell bei der Trulla-Fete an die Rotten-Dogs übergeben. Wuff, wuff, jaul!!!

Ende gut, dank Trulla-Mut.

P.P.P.S.: Nun ist es doch weg. Dank unglaublicher Hainzigkeit haben wir es letztendlich doch geschafft unser Banner zu verschlampen. Seit dem Bonfire-Gig im Babylon (München) ist es unauffindbar und dient wahrscheinlich als Wandschmuck einem Fan.

So hätte es zumindest einen Ehrenplatz. Wahrscheinlich ist es aber auf der örtlichen Müllkippe gelandet.